Vom reinen Einspeiser zum smarten Selbstversorger: Die Spielregeln der Photovoltaik haben sich geändert. Als ehemaliger Elektromeister habe ich die Zeiten erlebt, in denen die Volleinspeisung das Maß aller Dinge war. Heute zeigt der Markt in eine andere Richtung: Der Schlüssel zur Rentabilität liegt im Eigenverbrauch – besonders in Mehrfamilienhäusern und im Bestand.
Wer die aktuellen Zahlen des Fraunhofer ISE oder die Berichte im pv magazine aufmerksam verfolgt, sieht einen klaren Trend: Der Photovoltaik-Eigenverbrauch in Deutschland steigt massiv an. Allein 2024 deckte die PV knapp 14 % des Bruttostromverbrauchs in Deutschland. Doch die reine Menge an erzeugtem Strom ist nicht mehr der alleinige Erfolgsfaktor. Entscheidend ist, wo dieser Strom landet.
Die Zeiten, in denen eine PV-Anlage allein durch die Einspeisevergütung zur „Gelddruckmaschine“ wurde, sind vorbei. Die Schere zwischen den Stromgestehungskosten (ca. 8–12 Cent/kWh bei Aufdachanlagen) und den Bezugspreisen aus dem Netz (oft über 35 Cent/kWh) geht immer weiter auseinander. Genau in dieser Differenz liegt heute die Marge für Immobilienbesitzer und Anlagenbetreiber.
Die neue Mathematik der Wirtschaftlichkeit
Warum rechnet sich das reine Einspeisen kaum noch? Die Rechnung ist simpel: Für jede Kilowattstunde, die Sie ins Netz schicken, erhalten Sie eine vergütete Pauschale, die oft kaum die Gestehungskosten deckt. Jede Kilowattstunde hingegen, die im Gebäude verbraucht wird, substituiert teuren Netzstrom.
Das bedeutet: Je höher der Autarkiegrad, desto wirtschaftlicher die Anlage.
Dies gilt besonders für Bestandsgebäude. Während im Neubau moderne Energiestandards oft schon eingepreist sind, bietet der Bestand riesige Hebel. Hier treffen oft hohe Verbräuche (alte Heizpumpen, weniger effiziente Geräte) auf große Dachflächen.
Sektorkopplung als Turbo für den Eigenverbrauch
Ein entscheidender Faktor für die Steigerung des Eigenverbrauchs ist die sogenannte Sektorkopplung. Wir reden hier nicht mehr nur über Licht und Haushaltsstrom. Es geht um die Integration von Wärme und Mobilität:

- Wärmepumpen im Altbau: Entgegen alter Vorurteile funktionieren Wärmepumpen auch im Bestand oft effizienter als gedacht, wie aktuelle Feldstudien zeigen. Wenn diese mit günstigem Solarstrom vom eigenen Dach betrieben werden, sinken die Betriebskosten massiv.
- E-Mobilität: Die Wallbox in der Tiefgarage oder am Stellplatz ist der ideale Abnehmer für Solarstrom-Überschüsse, besonders wenn Fahrzeuge tagsüber oder am Wochenende geladen werden.
Herausforderung Mehrfamilienhaus: Den Strom dorthin bringen, wo er gebraucht wird
In einem Einfamilienhaus ist die Optimierung des Eigenverbrauchs technisch oft mit einem Speicher und einem Energiemanagementsystem getan. Im Mehrfamilienhaus (MFH) stehen wir vor einer anderen Herausforderung: Wir haben viele Parteien unter einem Dach.
Typische Fragen, die uns erreichen, sind:
- „Lohnt sich eine Erweiterung meiner bestehenden Anlage?“
- „Wie binde ich meine Mieter ein, ohne zum Energieversorger mit allen bürokratischen Pflichten zu werden?“
- „Brauche ich zwingend einen Speicher?“
Die Antwort liegt in der intelligenten Verteilung. Wenn der Allgemeinstrombedarf (Treppenhaus, Aufzug) gedeckt ist und die Wärmepumpe versorgt wurde, bleibt oft noch viel Solarstrom übrig. Fließt dieser ins Netz, verschenken Sie Rendite. Fließt er zu den Mietern, profitieren beide Seiten: Die Mieter durch günstigen Solarstrom, Sie als Vermieter durch Zusatzeinnahmen beim Strom an Mieter verkaufen.
Physikalische Weiterleitung statt bürokratischer Hürden
Hier kommen moderne Sharing-Lösungen ins Spiel. Anstatt komplexe Mieterstrommodelle mit Summenzählern und Lieferantenpflichten aufzusetzen, die viele Vermieter abschrecken, setzen wir bei PIONIERKRAFT auf eine physische Weiterleitung des Stroms.

Das Prinzip ist einfach:
- Priorisierung: Zuerst wird der Allgemeinstrom und die Wärmepumpe versorgt.
- Verteilung: Überschüsse werden über unsere Hardware (das PIONIERKRAFTwerk) direkt und bedarfsgerecht an die teilnehmenden Wohneinheiten weitergeleitet.
- Reststrom: Wenn keine Sonne scheint, beziehen die Mieter ihren Strom wie gewohnt von ihrem Versorger – sie behalten ihre freie Anbieterwahl.
Ein Rechenbeispiel aus der Praxis
Nehmen wir ein typisches Mehrfamilienhaus mit 6 Parteien, einer Wärmepumpe und einer 20 kWp PV-Anlage. Ohne Mieterstrom liegt der Eigenverbrauch vielleicht bei 10–15 % (nur Allgemeinstrom). Durch die Einbindung der Wärmepumpe steigt dieser Wert. Binden wir nun über eine intelligente Verteilung auch noch 4 der 6 Mietparteien ein, kann der Eigenverbrauchsanteil auf über 50–60 % steigen.
Das Ergebnis:
- Die Amortisationszeit der Anlage verkürzt sich drastisch.
- Die Nebenkosten für die Mieter sinken.
- Der Wert der Immobilie steigt durch ein besseres Energie-Rating.
Fazit: Handeln Sie jetzt
Der Markt wartet nicht. Die Strompreise bleiben volatil, und die Anforderungen an die CO2-Bilanz von Gebäuden steigen. Den selbst erzeugten Strom „nur“ einzuspeisen, ist wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. Nutzen Sie das Potenzial Ihres Daches voll aus, indem Sie den Strom dort verbrauchen, wo er erzeugt wird: bei Ihren Mietern und in Ihrer Gebäudetechnik.
Möchten Sie wissen, wie hoch Ihr Autarkiegrad im Mehrfamilienhaus sein könnte? Lassen Sie uns gemeinsam auf Ihr Projekt schauen. Wir prüfen unverbindlich, wie Sie Strom an Mieter verkaufen können – einfach und rentabel.